Lesen Sie gern mal eine Kurzgeschichte?
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K. F. - 2008
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Lebensweg des Wassers
Eine winzig kleine Quelle war sie, ja eigentlich nur ein paar stetige Tropfen, die vor Jahrtausenden als ein kleines Rinnsal zwischen gewaltigen Felsbrocken hervortrat.--- Wie kam das Wasser aus den unendlichen Gesteinstiefen ans Tageslicht? Lag damals vielleicht das große Meer ziemlich nah unter der Erdoberfläche?..
Die Quelle entwickelte sich in wiederum langer Zeit zu einem kleinen Bach, denn andere Rinnsale vereinigten sich zögerlich mit ihr und das schmale Bachbett trug etwas mehr Wasser. Jahrhunderte gingen weiter ins Land. Der Bach hatte zugelegt und war mittlerer Weile zu einem imposanten, breiten, „wandernden“ See herangewachsen, der sich über niedrige Bergspitzen und Täler geruhsam vorwärts bewegte. Bis es eines Tages geschah......
Der „wandernde“ See war an seine Grenzen gelangt und seine ersten flachen Wellen berührten eine Art Plattform, die kilometertief steil nach unten abfiel. Der „wandernde“ See sah keinen Ausweg, denn ringsum standen steile Bergeund ein Zurück gab es ebenfalls nicht. Er stürzte sich deshalb todesmutig und unvermittelt mit seiner ganzen Kraft dem Abgrund entgegen, ...weiter, tiefer, tiefer.... Der erste riesige Wasserfall der Welt war geboren. Das Wasser ließ beim Aufprall tobende, rauschende und gischtende Geräusche hören. Vielleicht waren es im Ursprung ja auch Schmerzlaute, ...wer weiß das schon?
Nach dem enormen Fall musste sich das Wasser erst wieder eine Weile sammeln, ehe es sich entschloss, jetzt als ein wild reißender Fluss durch die Lande zu ziehen, er wuchs zusehends. Zeitweise Begleitung, wie von lieben Freunden, fand der Fluss in einigen kleinen Zuflüssen, die sich jedoch nach einiger Zeit wieder verabschiedeten, manche trockneten unterwegs aus, ihr Leben endete bereits hier...
Der Fluß nannte sich jetzt „Strom“ und an seinen Ufern gab es nun menschliche Ansiedlungen, die seine Energie und Kraft für ihr Überleben nutzten. Zu dieser Zeit fühlte sich der Strom sogar irgendwie ausgebeutet. Er wurde gegen seinen Willen umgeleitet in fremde Richtungen, erhielt ein anderes Flussbett. Menschen bohrten Löcher in den Boden seines Bettes, um eine schwarze zähe Flüssigkeit zu gewinnen und ließen diese dann später einfach in sein klares Wasser laufen... Die Wunde wurde nicht wieder geschlossen... Er "blutete" vor sich hin...
Zusätzlich wurden auf seinem Rücken riesige schwarze Ungetüme platziert, die er in seinem täglichen Lauf ständig mitnehmen musste...
Die Kräfte des Stroms ließen in den Jahren dann zusehends nach. Er war mit seinen Leistungen nicht mehr so gefragt, seine Lebensenergie wurde matt.. Die Menschen nannten ihn jetzt nur noch den „alten Strom“.
Der alte Strom selbst wünschte sich auf Grund seines sehr langen Lebensweges und seiner vielen schmerzhaften Erfahrungen nichts weiter, als nunmehr auszuruhen, .. ein Zuhause zu finden. Dieser Wunsch ging schließlich und endlich für ihn in Erfüllung, denn er näherte sich seinem Ziel, dem Meer...---
Das Meer rauschte sanft und beruhigend bei seinem Eintritt auf und breitete seine Wellen wie Arme aus, die Arme einer Mutter....Der Strom war zu Hause.... Das Meer, Heimat des Wassers und Ursprung allen Lebens...
Karin Fluche
8/10
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Holunder-Philosophie
„Weisser Holunder blüht wieder im Garten,
wo übers Jahr glücklich ich war...“
Mancher der Leser wird sich gerne an diesen alten Schlager erinnern und vielleicht sogar mitsingen, weitersingen.... Ja, wir haben jetzt wieder Holunderblüten-Zeit und Jugendbilder wachen auf, gehen vor dem geistigen Auge spazieren...
Vielleicht war es die Zeit der ersten Liebe, damals, als das Lied aktuell wurde und es könnte auch heute sein, zur Zeit der Holunderblüte, Zeit für eine Liebe in den späteren Jahren.... Überwältigender Holunderblütenduft steht an stillen warmen Abenden wie eine Glocke über Parks und Gärten.. Kommt sacht ein leiser Wind. hinzu, versetzt er diese unsichtbare Glocke in Schwingungen und die Dufttöne fliegen hinaus übers frühsommerliche Land und hinein in die Herzen.
Du fühlst Dich berührt von einer unhörbaren Melodie, die Dich in Sommerträume geleitet und Du siehst einen Holunderbusch in Deinem Garten, der ungestört zum Baum heranwächst, einem sogenannten „Holler-Busch“... Und wer hat diesen „Tausend-Dolden-Baum“ wohl gepflanzt, wo kam er her, wer schenkte ihn Dir?----.. Es war vielleicht eine Amsel, die vor Jahren eine Holunderbeere aus dem Schnabel fallen ließ, genau an dieser Stelle...
Auch heute ist es eine Amsel, die die Holunderbeeren liebt und sich vorsorglich ein Nest in den dichten dunklen Zweigen gebaut hat. ... Indess ist es jedoch auch nicht mehr die Amsel von damals... Die Zeit ist vergänglich... und alsbald werden aus den wunderbaren weissen Blüten kleine grüne Kügelchen wachsen, die sich nach und nach schwarz färben. Dann ist bereits Spätsommer und der Herbst nicht mehr weit....
Doch kann man mit Holunderblüten nicht nur sehr schön über die Liebe philosophieren, sondern sie bieten auch einen guten Geschmackswert. Ich denke mit einem Lächeln an einen sogenannten „geistigen“ Wert... Ist es doch der liebliche wohlschmeckende Holunderlikör, der zu einem Gläschen einlädt, ... ein weiteres... und schon fühlt man sich geneigt, das alte Lied leise zu summen „Weisser Holunder blüht wieder im Garten..-„.--- Eine wunderbare Frühsommerzeit...
Karin Fluche
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Das "Auge" – oder: „Der Ring der alten Dame“
In der kleinen Stadt, ein wenig außerhalb gelegen, standen seit Jahren einige neugebaute Häuser, darunter auch mehrere Zwei-Familien-Häuser. Jedes dieser Häuser hatte jedoch einen eigenen Eingang. Hinter dem Haus befand sich ein großer Garten, der durch einen Holzzaun in der Mitte geteilt wurde. Doch jede der Familien lebte im Prinzip für sich...
In dem Haus 8a und 8b in der Blumenstraße wohnte in der einen Haushälfte eine alleinstehende alte Dame und im anderen Eingang eine junge Frau mit einem kleinen Mädchen. Das Mädchen mochte wohl 7 oder 8 Jahre alt sein, ein aufgewecktes freundliches Kind mit langen braunen Haaren. Die junge Familie verstand sich mit der alten Dame sehr gut, sie pflegten eine angenehme Nachbarschaft miteinander. - Die Frau und das Mädchen kauften für die alte Dame ein und halfen ihr bei den Beschwerlichkeiten des Alltags. Die alte Dame hingegen betreute sehr gerne das Mädchen nach der Schule, wenn die Mutter arbeitete. Das Mädchen sagte nach einiger Zeit „Oma“ zu ihr und die „Oma“ lächelte dann... Sie hatten zu einander Vertrauen...---
Die alte Dame hatte vor zwei Jahren ihren Ehemann verloren, mit dem sie über 50 Jahre in Liebe und Harmonie gelebt hatte. Er war einfach so in ihren Armen eingeschlafen, es hatte ihm nie etwas gefehlt.---. Sie selbst war eigentlich nie richtig über den Verlust hinweggekommen und in ihrem Verhalten hatte sich etwas geändert. Sie sprach manchmal leise mit ihrem Ehemann und die Leute belächelten sie ein wenig.-
Die alte Dame trug in den 50 Jahren ihrer Ehe stets zwei Ringe, die sie niemals ablegte. Es war ihr Ehering und der Verlobungsring ihres Mannes, der ihr sehr wichtig war... Der Verlobungsring war ein schmaler Silberreif mit einem wunderbar leuchtenden blauen Stein, der in der Mitte einen merkwürdigen dunklen Fleck besaß und wie ein Auge anmutete. Die alte Dame erzählte manchmal, dass ihr Mann Augen in dieser Farbe gehabt habe. Seitdem er nun nicht mehr lebte, nannte sie den Stein „Auge“ und strich dann liebevoll darüber.--- Eines Tages, nachdem sie mal wieder einen kleinen Spaziergang im Garten unternommen hatte, bemerkte sie nach Stunden, dass dem Verlobungsring der Stein, „das Auge“, fehlte. Ihr Entsetzen war so groß, daß sie immer nur mit dem Zeigefinger auf die leere Fassung deutete und kein Wort hervorbrachte. Erst später lösten sich die ersten Tränen.-
Als das Mädchen an diesem Tage aus der Schule kam und nach der „Oma“ schaute, saß diese immer noch hilflos da und weinte... Die Kleine umarmte sie, sprach ihr gut zu und strich der alten Dame übers Haar... Dann suchten die beiden die ganze Wohnung ab - vom Keller bis zum Dach. Später half auch die Mutter des Mädchens mit – der Stein, „das Auge“ , blieb jedoch verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt.-. Nach ein paar Tagen, - der Stein war immer noch nicht aufgetaucht-, hatte sich der Zustand der alten Dame verschlimmert. Sie fantasierte geradezu, ihre Worte waren lauter geworden.... Um der alten Frau eine Freude zu machen, holte das Mädchen am nächsten Tag ihr „Schatzkästchen“ aus der eigenen Wohnung nebenan. Das "Schatzkästchen" hatte bereits eine lange Tradition. Zuvor besaß es die Mutter als Kind und davor die Großmutter... . Alles, was irgendwie von ideellem Wert war, lag seit Jahren hier drin.-
Das Mädchen legte der alten Dame die verschiedensten kleinen Dinge in den roten Wollrock und hielt zu jedem Teilchen eine Erklärung bereit. Es fanden sich unter anderem ein großer brauner Holzknopf, die defekte Armbanduhr der Mutter, ein buntes Schneckenhaus, eine gepresste Rose, ein Band mit einem Silberfaden, ein Stück Papier mit einer alten Schrift, eine rosa Plastekette, eine Münze aus alter Zeit..... Es waren nur noch wenige „Wertstücke“ im Schatzkästchen, als das Mädchen und die alte Frau zur gleichen Zeit einen schrillen Schrei ausstießen und fast wäre der Gegenstand dem Mädchen aus der Hand gefallen. Sie hielt in ihrer kleinen bebenden Hand „das Auge“, den vermissten Stein der alten Dame.. Beide weinten und lachten zugleich, als sie sahen, dass der Stein unbeschädigt geblieben war... Die Mutter des Mädchens ließ noch am gleichen Tag den Stein vom Juwelier in den Ring einpassen. Als der Ring mit dem blauen Stein wieder am Finger der alten Dame glänzte, ging es dieser zusehends besser. Ihr Gemüt wurde täglich klarer und sie nahm das Leben wieder mit Freude wahr. Nur wenn sie allein war, sprach sie noch ganz leise mit ihrem lieben Mann. Sie dankte ihm, daß er ihr den Stein neu geschenkt hatte..
Jedoch wie „das Auge“ in das Schatzkästchen des kleinen Mädchens gelangt war, blieb ein Geheimnis, niemand konnte es erklären.
Karin Fluche
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Albtraum -
eine etwas düstere Geschichte
Diese Geschichte beginnt ganz unkonventionell mit dem Ende einer Begebenheit.---
Es war der Abreisetag aus einem wunderschönen sonnigen Urlaub in den Bergen,. beeindruckende Felsmassive, wohin man auch schaute, - die ganze herrliche Natur.
Einzelne Bäume, die die Wiesen begrenzten, kleine Täler, versteckt liegende, einzelne Häuser... Heitere Motive für den Fotofreund....
Der Abreisetag unserer Reisegruppe aus diesem Panorama gestaltete sich jedoch nicht so, wie erwartet....
Das Wetter war umgeschlagen und es regnete in Strömen den ganzen Tag. Auch war Nebel aufgezogen, die Luft kalt geworden.... Die freundliche Umgebung hatte jegliche Heiterkeit verloren, alles war in ein tiefes Grau getaucht. Die Felsen in ihrer Größe wirkten nun unheimlich, gespenstisch, ja - bedrohlich... Alles sah anders aus...---
Mein Mann und ich standen inmitten der schweigsamen Reisegruppe, man hörte keinen Laut, keinen Vogel,- nichts... Gesichter waren unter Kapuzen und Schirmen verborgen. Eine unbestimmte bedrückende Atmosphäre schwebte über den Köpfen.....Manchmal fiel mir ein kalter Regentropfen in den Nacken und ich erschauerte.. In diesen Momenten umfasste ich fester die Hand meines Mannes.---- So warteten wir auf den Bus, der uns nach Hause bringen sollte.- Die Zeit war ins Nirgendwo entrückt.—
Unser Gepäck war bereits vor Stunden in einer offenen geräumigen Felshöhle nahe dem Straßenrand untergebracht worden. Sie diente von jeher als Wetterzufluchtsort und hatte keinerlei andere Ausgänge... Es war eine Stalaktitenhöhle, übersät mit kleinen Tropfsteinen, die von der Decke wuchsen...-
Während wir so warteten, fiel mir irgendwann ein, dass ich aus dem Handgepäck unbedingt noch eine Kleinigkeit haben müsse, die mit in den Bus sollte. Ich besprach dies kurz mit meinem Mann und ging allein in die Höhle, um unser Gepäck zu suchen... Ein paar Lämpchen beleuchtete das Innere....
Ich sah mich etwas um und fand auch bald unser Gepäck.-
Plötzlich fiel mir auf, daß die Lampen flackerten und mit einem wuchtigem Geräusch verschloss sich die Höhle. Es fuhren aus beiden Seiten dichte Eisengitter heraus.
In panischer Angst rannte ich zum Ausgang und rief durch die Gitter um Hilfe. Jedoch niemand hörte.. Ich schrie wie besessen und dennoch kam es mir vor, als hörte ich nur ein schwaches dünnes Stimmchen.---
Meine Angst wurde fast zum Wahnsinn, als ich entdeckte, dass die erwähnten kleinen Tropfsteine an der Decke in einem zügigen Tempo wuchsen, spitz und scharf.. Sie waren schon längst nicht mehr klein. –
Ich konnte mir ausrechnen, wann sie wohl den Boden und vorher mich, erreicht hätten.....Oh, mein Gott-.... und ich schrie um mein Leben...
Als mein rasendes Herz diese Angst nicht mehr lange zu ertragen drohte, kam dann doch noch von unerwarteter Seite Hilfe.---
Ich spürte eine warme, zärtliche Hand auf meinem Gesicht und hörte die vertraute beruhigende Stimme meines Mannes: „Es ist alles gut. Du hast nur geträumt... Komm, wach auf!“----
Ich kann gar nicht beschreiben, wie froh ich war, am Leben zu sein, in vertrauter Umgebung.. Langsam erkannte ich die Umrisse des Zimmers und atmete tief durch... Mein Herzschlag kehrte erst sehr viel später zur Normalität zurück. Ich schlief dann in dieser Nacht kaum mehr, ich suchte die Helligkeit...-
Am Morgen brauchte ich eine Tasse Kaffee mehr als sonst und erzählte meinem Mann in Ruhe die geträumte Geschichte. Sie ging mir noch lange nach....---
Karin Fluche
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Definition von "Glück"
- Glück ist wie ein süßer, wunderbar anzuschauender Kuchen, der bereits vom Konditormeister in unregelmäßige Stücke aufgeschnitten wurde, - große, kleine, schmale, breite,... wie es auch jeder guten Hausfrau passieren könnte
- Bei seinem Anblick allein zieht bereits ein verträumtes glückliches Lächeln über manches Gesicht, „schmeckt“ es bereits – dieses Kuchenstück, sein Stückchen Glück..
- Die Kuchenstücke werden wahllos an der Bedienungstheke des Lebens auf die Teller der Menschen gegeben. Eigentlich sind die meisten zufrieden mit dem ihnen zugeteilten Stück Glück. Die klugen unter ihnen teilen es sich gut ein, denn es möchte lange, möglichst sehr lange, reichen..
- Jedoch bei ausgesprochenem Pech bekommt mancher Mensch von diesem Kuchen leider nichts mehr ab. Der Kuchen ist ausverkauft, ehe er an der Reihe ist. Dieser Mensch hat wohl in der langen Warteschlange auf das Glück viel zu weit hinten gestanden. Die Traurigkeit darüber trägt er im Gesicht..
- Andere Menschen hingegen, die mit dem Verteiler des „Glücks“-Kuchens auf „gutem Fuß“ stehen, bekommen wiederum die ganze Torte, den ganzen zuckersüssen Kuchen geschenkt, müssen nichts weiter tun, als“ nehmen“....
- Sie essen unachtsam den wunderbaren Kuchen „Glück“ gierig in kurzer Zeit auf, obwohl das am Ende unbekömmlich sein könnte und sogar mit körperlichen und seelischen Schmerzen einher gehen kann....
- Mancher Kuchenfreund „knabbert“ ein ganzes Leben lang noch an dem zu schnell verzehrten Glück .., kann nicht verdauen....
Karin Fluche
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Die gefährlichen Erlebnisse eines Regenwurms
Ein älterer Regenwurm lebte seit Jahren mit seiner Familie zufrieden in den dunklen engen Röhren unter einem kleinen Rasenstück. Dieses befand sich dicht an der Straße und an manchen Tagen hörte der Regenwurm merkwürdige Geräusche über seinem Kopf, die er sich nicht erklären konnte.-- --
Da er jedoch von Natur aus sehr wissbegierig war, dachte er eines Tages über einen Ausflug an die Erdoberfläche nach. Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr gefiel ihm der Plan und er besprach daraufhin sein Vorhaben mit der Familie.Diese jedoch empfand die geplante Reise an die „Oberwelt“ als sehr gefährlich.
Doch der Wurm besaß einen „dicken Kopf“ und ließ sich nicht von der Reise abbringen.--
An einem regnerischen Vormittag stärkte sich der Regenwurm noch ausgiebig zum Frühstück mit Erde, seiner Lieblingsspeise. Dann machte er sich auf den Weg hinauf zur Erdoberfläche. Dazu musste er zunächst mühsam einen Gang graben, um endgültig hinaus zu gelangen.
Als dies endlich geschafft war, war der Wurm ganz schön erschöpft und ruhte erst ein wenig aus.
Dann schaute er vorsichtig aus einem kleinen Loch in die fremde Welt. In diesem Moment bekam der Regenwurm sogleich zur Begrüßung einen dicken kalten Regentropfen direkt auf den Kopf. Der Tropfen kam aus der Höhe mit solcher Wucht, sodass der Regenwurm das Bewusstsein verlor.---
Als er zu sich kam, fand sich er sich auf dem nassen Asphalt am Rande einer Regenpfütze wieder. Ein Windstoß musste ihn dahin getragen haben und fast wäre er hier schon ertrunken. Große Angst überkam ihn und sehr gerne wäre er wieder in sein Zuhause unter der Erde zurückgekehrt. Aber wo war sein Zuhause, wie kam er wohl dahin zurück?---
Während der Regenwurm so überlegte, musste er sich ständig hin und her winden, um gefährlich aussehenden schwarz-glänzenden Dingern auszuweichen, von denen manche Geräusche von sich gaben, bei vielen klang es wie „Quitsch“ und bei anderen wiederum wie „Klack, klack, klack...“ . ---
Als der Wurm endlich wieder Mut geschöpft hatte, rannte plötzlich quer über die Straße ein noch nie gesehener Vierbeiner auf ihn zu, stellte sich genau über ihn, atmete ihn an und sagte „Wau“.
Der Wurm verstand diese Sprache nicht und stellte sich sicherheitshalber tot. Damit war er für den ungebetenen Besucher uninteressant geworden und „Wau“ trottete Gott sei Dank weiter.
Eine andere lebensgefährliche Attacke erlebte der Wurm wenige Minuten später mit einem Vogel, der dicht über den Gehweg flog. Er sah noch einen harten gelben Schnabel und dann wußte er überhaupt nichts mehr...
Der Vogel erschrak jedoch seinerseits über ein rufendes Kind und ließ den Wurm wieder fallen...
Als der Regenwurm aufwachte, lag er in einer weichen kleinen Kinderhand und das Kind sagte zur Mutter in der Kindersprache: „Wum, Wum“. - Es trug ihn zurück auf das kleine Rasenstück am Straßenrand.
Der Zufall wollte es, daß der Regenwurm wieder seinen Eingang in die Erde fand und so glücklich nach Hause zurückkehren konnte.
Er erzählte der Familie von den gefährlichen Abenteuern, die er in der „Oberwelt“ erlebt hatte, auch, daß er hier einen Namen bekommen habe und von nun an „Wum“ hieße. Darauf sei er sehr stolz. Zurückkehren auf die Erde wolle er jedoch niemals mehr.
Karin Fluche
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Eine interessante Baum-Beziehung
Herr und Frau G. besaßen einen kleinen Garten, an dem sie viel Freude hatten.
Sie waren fast jeden Tag dort, denn es gab immer etwas zu tun, aber natürlich auch Zeiten der Erholung.
In diesem Garten wuchsen viele alte, teils sehr alte, Bäume, die schon der Vorbesitzer und die Vor-Vor-Besitzer des Gartens gepflanzt hatten.
Das bedeutete einen ziemlichen Arbeitsaufwand, denn sie mussten auch gegossen, gegen Ungeziefer geschützt, gestützt und schließlich auch geschnitten werden.
Mancher der Gartennachbarn und Freunde erteilte dann gern und häufig gute Ratschläge. Dieser und jener Baum wäre krank, bringe nicht mehr genügend Früchte, wäre insgesamt nutzlos, müsse also weg, ...entsorgt werden...
Doch da Herr und Frau G. in jedem Baum einen „lieben Freund“ sahen, „überhörten“ sie stets die wohlmeinenden Hinweise.
Einfach einen Baum entsorgen, nur weil er schon älter war und seinen von der Natur gestellten Aufgaben nicht mehr genügend nachkommen konnte, das ging nun wirklich nicht.
Wenn man sich einfach mal vorstellte, dass diese Bäume Menschen wären, ältere Menschen..., - einfach so entsorgen...
Besonders angetan hatte es Herrn und Frau G. ein alter Apfelbaum, der auf ihrer Wiese stand. Er trug nicht mehr viel Äpfel, die meisten von ihnen waren stets krank und auch der Baum selbst sah nicht mehr allzu gesund aus. Aber er hatte die schönsten Blüten Jahr für Jahr und spendete selbstlos vom Frühjahr bis zum Herbst Schatten für die Familie G. –
Außerdem unterhielt der Apfelbaum eine gute Nachbarschaft zum Fliederstrauch und zur Brombeerhecke. Mit der Brombeer-Hecke hatte er eine Art „Abkommen gegenseitiger Hilfe“ geschlossen, denn in der Reifezeit der Früchte stützten sich nämlich die Brombeer-Ranken auf den Apfelbaum und er seine Zweige auch auf sie.
In der Nähe standen noch einige Duft -Rosen, mit denen der Baum sich auf besondere Weise verbunden fühlte. Zu diesen bestand eine lockere Familienbande, denn sie trugen, wie er, den Teil-Namen „Rose“.
Ja, der Apfelbaum von Herrn und Frau G. war in der Tat etwas Besonderes, ein „Rosen-Apfel“, eine alte Sorte und schon deshalb sehr schutzbedürftig.
Und immer, wenn jemand das Ehepaar G. aufforderte, diese „Krücke“ doch nun endlich zu umzuhauen, dann legten sie schützend die Hände um seinen rissigen Stamm.
„Der Baum bleibt stehen, solange wir leben“, sagten sie dann häufig.
Der Apfelbaum bedankte sich in all den Jahren und auch noch heute für die Fürsorge mit vielen Blüten und neuen Austrieben..
Frau G. entdeckte in diesem Sommer für sich zwischen den Zweigen ein lächelndes filigranes Gesicht. „Es ist ein Baum-Gesicht“, sagte sie stolz.
Herr G. dagegen sah auf einem der großen Äpfel ein Schmunzeln, das vier bis fünf Schorfstellen hervor zauberten.
Nun, wie dem auch sei, das Ehepaar G. war sich jedenfalls dahingehend einig, dass der Apfelbaum ihnen manchmal auf seine Weise zulächelte.
Karin Fluche
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(Zur folgenden Kurzgeschichte möchte ich darauf hinweisen, daß dies eine von mir ausgedachte Begebenheit ist und keinerlei Anspruch auf Wahrheitsgehalt erhebt, eben ein Märchen - auch für Erwachsene... Aufgezählte Namen sind rein zufällig ausgewählt, weil sie die Geschichte gut komplettieren.) K.F.
K.F. - 2005
Aus der Familie des Weihnachtsmannes
Vor uralten Zeiten gab es auf der Erde ein märchenhaftes Land, das heute niemand mehr kennt.
Hier in diesem Land wurde der Weihnachtsmann von den Menschen zum ersten Mal gesehen und sie erzählten sich viele Geschichten von ihm, von Land zu Land, von Ort zu Ort, von Mund zu Mund....
Ein Reisender wusste sogar zu berichten, dass der Weihnachtsmann in diesem fernen Land auch geboren worden sei...
Alle Familien, die im Geburtsort des Weihnachtsmannes wohnten, hießen damals ganz einfach nur „Mann“. Andere Familiennamen, wie wir sie jetzt kennen, gab es damals noch nicht.--- Damit die Leute sich aber von einander unterscheiden konnten, hingen sie eines Tages den Teil einer Arbeit, - was sie gern taten oder auch nicht -, oder die Jahreszeit, in der sie sehr viel gebraucht wurden, an. So ergab es sich, dass Namen entstanden, wie Sandmann, Hoffmann, Lindemann, Landmann oder Fuhrmann, Ackermann...
So wurde auch die Familie im Ort umbenannt, die gerade um die Weihnachtszeit sehr viel zu tun hatte.... Sie arbeiteten im Wald, sägten Tannen um, bastelten kleine Holzgeschenke, die sie zu ihrem Lebensunterhalt in der nächsten Stadt verkauften.
Richtig ,...nun gab es auch die Familie „Weihnachtsmann“ und das jeweilige Familienoberhaupt nannte man heimlich „der Alte“.- Alle in dieser Familie sahen sich ziemlich ähnlich, trugen stets rote Mäntel mit Kapuzen und lange Bärte. Das Sonderbarste in der Familie „Weihnachtsmann“ jedoch war, dass sie auch in der Jugend schon alt aussahen. –
Die Familie des Weihnachtsmannes bestand damals wie auch heute vorwiegend aus männlichen Mitgliedern, aus Opas, Vätern, Onkeln, Brüdern, -... War in der Familie irgendwann mal eine Frau zu finden, hieß sie sofort „Frau Weihnachtsmann“, denn sie musste ja den Namen ihres Mannes annehmen.
In dem unbekannten Land des Weihnachtsmannes geschah es nun eines Tages, dass die Frau „des Alten“ Zwillinge zur Welt brachte – zwei kleine Jungen.
Diese beiden bekamen dann auch zum ersten Mal Vornamen. Den erstgeborenen nannte man Nikolaus und das zweite Kind hieß ganz einfach „Ho-Ho-Ho“....
Der Nikolaus war ein freundliches stilles Kind, liebte die Heimlichkeiten, tat Gutes im Verborgenen, zeigte sich jedoch kaum persönlich bei den Kindern. Er verschenkte aber gern kleine Sachen bei Nacht, einen Tannenzapfen, eine Schokolade, einen Apfel und schmunzelte leise, wenn die Überraschung mal wieder geglückt war - und so macht er das auch noch heute.....
„Ho-Ho...“ dagegen war ein lauter, polternder, ziemlich dicker Bursche und sah später auch als Mann so aus. Er erschreckte gern die Leute mit seiner rauhen Stimme und wedelte manchmal mit einer Rute durch die Luft.-
Alles wollte er unbedingt immer wissen, z. B. ob alle Kinder brav waren im Jahr, ob alle Aufgaben gemacht worden sind, alle Arbeiten gut erledigt..... Manche Leute, die sich nicht ganz sicher waren, fühlten ein wenig Angst in sich, denn Ho-Ho schrieb die Antworten stets in ein dickes rotes Buch ein. - Es ging auch das Gerücht um, dass er gewisse Lügen erkennen würde....–- Aber die, die immer ehrlich und fleißig waren, belohnte er um Weihnachten stets reichlich..- Übrigens ist nach vielen Jahren der „Ho-Ho“ auch Familienoberhaupt geworden.... Er ist nun bereits seit langer Zeit „der Alte“.----
Die beiden Brüder, so verschieden sie auch sind, verstanden sich jedoch immer sehr gut und das ist auch heute noch so. Sie stehen für einander ein, helfen sich gegenseitig, besonders in der Zeit vom 1. Dezember bis zum 24. Dezember.
Sie sehen sich nicht viel, aber das, was sie gemeinsam tun, verbindet sie für alle Zeiten....:
Sie bringen Freude --- nicht nur für die Kinder. – Eine wunderschöne Aufgabe...
(Karin Fluche 11/2009)
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K.F. - 2007
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Wie der Weihnachtsmann zu seinem ersten Adventskalender kam
Mitten im dichten Wald wohnt der Weihnachtsmann allein in einem kleinen Haus. Hier schläft er und ruht sich von der anstrengenden Arbeit im Winter aus, denn er ist ja schon ein sehr alter Mann. Als der Weihnachtsmann noch jünger war, schneite es immer dichte Flocken zu Weihnachten. Er brauchte keinen Kalender, um zu wissen, wann Heilig-Abend war.
Jedoch in den letzten Jahren fiel immer weniger Schnee und manchmal blieben die Wiesen auch im Winter grün. Aber auch das Gedächtnis des Weihnachtsmannes war nicht mehr so wie früher...
Eines Nachts träumte der Weihnachtsmann, dass er den 24. Dezember verschlafen und ganz vergessen hatte, den Kindern die Geschenke zu bringen. Erschrocken fuhr der alte Mann hoch und hörte sein eigenes Herz wild unter dem roten Mantel klopfen. Er war so durcheinander, dass er nicht mehr wusste, ob er alles nur geträumt hatte oder das Weihnachtsfest wirklich schon vorbei war. Einen Kalender hatte er ja nicht, um nachzuschauen.
Am Morgen stand der Weihnachtsmann frühzeitig auf und besuchte die Schnee-Eule im Wald. Sie war eine kluge Eule und hatte ganz sicher einen Kalender. „Nun“, sagte die Eule, „einen Kalender habe ich nicht, aber ich will einmal nachdenken“. Sie schloss minutenlang die Augen und saß ganz still. Plötzlich riss sie ihre großen kreisrunden Augen wieder auf, so dass der Weihnachtsmann erschrak. „Ich habe in diesem Jahr noch keinen Schnee gesehen“, sagte sie. „Du musst Dir bestimmt keine Sorgen machen wegen des Festes.“ Der Weihnachtsmann hört dies sehr gern und wollte doch zur Sicherheit noch eine andere Meinung einholen.
Er ging darauf hin zum Fuchs. Der Fuchs war unter den Waldtieren berühmt für seine Schlauheit. Aber auch der Fuchs hatte keinen Kalender mehr. „Ich habe ihn bei einem Bauern eingetauscht gegen Hühnereier, denn ich will ein guter Fuchs sein und keine Eier mehr stehlen.“.- „Aber ich hörte die Gänse auf dem Hof schnattern und das ist ein sicheres Zeichen, daß das Weihnachtsfest noch vor uns steht. Am Tag vor Heilig-Abend vestecken sich alle Gänse und geben keinen Laut von sich, denn sie haben furchtbare Angst, als gebratene Weihnachtsgänse auf den Tisch zu kommen.“ - Der Weihnachtsmann war zufrieden mit dieser Auskunft.
Auf dem Rückweg traf er durch Zufall den Förster und erzählteauch ihm sein Erlebnis.
Der Förster wusste Rat. Er hob einen Tannenzweig auf und legte diesen direkt vor die Haustür des Weihnachtsmannes. „Heute ist der 1. Dezember. Morgen legst Du einen weiteren Zweig neben diesen, am 3. Tag wieder einen Zweig nach dem letzten. In dieser Zeit zählst Du die Zweige ab, bis es 24 sind. Hast Du den 24. Zweig gelegt, ist Heilig-Abend. Dann kannst Du beruhigt die Geschenke an die Kinder verteilen. Der Weihnachtsmann freute sich über diese Idee und bedankte sich herzlich beim Förster.
Alle Tiere des Waldes halfen dem Weihnachtsmann nun beim Holzsammeln und jeden Morgen legte eines von ihnen einen Tannenzweig vor des Weihnachtsmannes Tür, bis eine lange Kette entstand. Als der Weihnachtsmann nachzählte, waren es an diesem Tag gerade 24. Den letzten Tannenzweig hatte das Rentier gebracht. Zur Belohnung durfte es nun den Weihnachtsmann im Schlitten zu den Kindern ziehen, denn pünktlich zu Heilig-Abend fiel auch dichter Schnee.
So kam der Weihnachtsmann zu seinem ersten selbstgebastelten Kalender und die Kinder bekommen noch heute pünktlich ihre Weihnachtsgeschenke. Und weil die Erfindung dieses schönen Kalenders gerade in die Adventszeit fiel, nannte ihn der Weihnachtsmann „Adventskalender“..
Karin Fluche
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Weihnachten 2008
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